Vielen Paaren, die sich schon lange vergeblich ein Kind wünschen, bietet eine Behandlung mit
Spendersamen die Chance, doch noch ein Baby zu bekommen. Ist die Behandlung erfolgreich,
können die Eltern sogar Schwangerschaft und Geburt gemeinsam erleben.
Eine Spendersamenbehandlung ist jedoch mit vielen Fragen verbunden. Das Paar muss Abschied
nehmen von der Idealvorstellung, dass das Kind von beiden Elternteilen abstammt. Die Tatsache,
dass ein mit Samenspende gezeugtes Kind nicht die Gene des Vaters, sondern die eines anonymen
Spenders in sich trägt, ist für die zukünftige Familie von Bedeutung und hat weit reichende
und tief greifende Folgen für alle Beteiligten, nicht zuletzt für das noch ungeborene Wunschkind.
Deshalb ist es sehr wichtig, dass sich die künftigen Eltern vor einer Entscheidung für oder gegen
eine solche Behandlung ihre aktuellen Bedenken bewusst machen und alle langfristige
Auswirkungen berücksichtigen.
Das Thema betrifft sensible und intime Bereiche des Lebens und ist mit starken Gefühlen verknüpft.
Obwohl viele Paare von der Diagnose "unfruchtbar" betroffen sind, ist das Thema in der Öffentlichkeit
noch immer wenig präsent und oftmals tabuisiert. Für viele Paare ist es schwierig, darüber zu reden.
Es ist aber notwendig, eine Entscheidung zu treffen, zu der beide Partner jetzt und auch in Zukunft
voll und ganz stehen können. Dies ist nur möglich, wenn man ehrlich und offen miteinander spricht.
Es kann hilfreich sein, professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen, um neben medizinischen und
rechtlichen Aspekten auch psychosoziale Fragen zu klären.
Gefühle annehmen und miteinander sprechen
Für beide Partner ist es in der Regel ein Schock, wenn sie erfahren, dass der Mann unfruchtbar ist oder eine
Befruchtung mit den eigenen Samenzellen aus anderen Gründen nicht möglich ist. Heftige Emotionen wie Wut,
Angst, Trauer, Ohnmacht, Selbstzweifel und Scham werden erlebt. Es ist sehr wichtig, dass man sich ausreichend
Zeit für diese Gefühle nimmt und sich damit auseinander setzt, was die Situation für den Mann, die Frau und die Partnerschaft bedeutet.
Dies ist ein Prozess, der unterschiedlich lang dauern kann und mit vielen Zweifeln und Ungewissheiten
verbunden ist. Erst nach und nach ist es möglich, sich mit den Folgen einer solch gravierenden Tatsache
zu beschäftigen und abzuwägen, welche Möglichkeiten der weiteren Lebensgestaltung nun in Betracht kommen,
ein Leben ohne Kinder, ein Pflegekind, eine Adoption oder eine Samenspende.
Selbstverständlich ist auch
zu bedenken, dass eine medizinische Behandlung mit Belastungen verbunden ist und keine Garantie für
einen Erfolg geben kann.
Wird nach Abwägung aller Alternativen eine Familiengründung mit Spendersamenbehand- lung favorisiert, fragen
sich viele der künftigen Eltern, ob auf diesem Weg wirklich eine stabile und harmonische Familie entstehen kann.
Männer sind häufig nicht sicher, ob sie ein so entstandenes Kind später lieben können oder ob das Kind sie
uneingeschränkt als Vater akzeptieren wird. Frauen haben oftmals Bedenken, durch den Samen eines fremden
Mannes schwanger zu werden. Die meisten Paare machen sich Gedanken um die Person des Spenders und über eine
eventuelle Kontaktaufnahme ihres Kindes mit dem biologischen Vater und überlegen schon, ob, wann und wie sie
ihrem Kind von seiner besonderen Entstehungsgeschichte erzählen sollen. Gehen die Eltern klar und selbstverständlich
damit um, kann das Kind später leichter mit dieser Tatsache aufwachsen. Die Eltern können dem Wunschkind dann vermitteln,
dass es auf der Welt ist, weil seine Eltern einem Kind das Leben schenken und es mit Liebe aufziehen wollten. Sie können
ihm erklären, dass der normale Weg nicht möglich war, ohne dass jemand die Schuld dafür trägt.
Viele Paare fragen sich, inwiefern sie ihr Umfeld in ihre Entscheidung mit einbeziehen sollen. Erfahrungsgemäß
ist es leichter, mit anderen über dieses Thema zu reden, wenn man sich selbst intensiv damit beschäftigt hat
und geübt ist, darüber zu sprechen. Je natürlicher und selbstbewusster man dieses Thema dann im Umfeld vermittelt,
desto leichter wird die eigene Entscheidung auch von anderen respektiert und das Kind muss kein Geheimnis tragen.
Bei all diesen Fragen kann eine psychologische Beratung helfen.
Seminar: Familiengründung mit Samenspende
Mit diesem Seminar bieten wir Paaren, die sich mit einer Spendersamenbehandlung beschäftigen, ein Forum, um mit
anderen Betroffenen ins Gespräch zu kommen und offene Fragen zu klären. Wir möchten Paaren helfen, eine
fundierte Entscheidung zu treffen. Wir wollen sie auf die Besonderheiten einer Familienbildung mit Spendersamen
angemessen vorbereiten und sie für die Zukunft stärken.
Dr. Andreas Hammel, Ärztlicher Leiter der Praxis für Kinderwunschbehandlung Erlangen sowie der Erlanger
Samenbank, und ich leiten dieses Seminar gemeinsam. Zusammen mit den Wunscheltern möchten wir medizinische,
rechtliche und psychosoziale Fragen diskutieren. Die Paare können dabei von unserem Fachwissen und jahrelanger
professioneller Erfahrung profitieren, sich aber auch untereinander austauschen. Für viele Paare ist es hilfreich
festzustellen, wie sehr sich gerade geschlechtsspezifische Überlegungen und Befürchtungen ähneln, und zu erfahren,
wie andere damit umgehen.
Das Seminar kann ein guter Anfang sein, über dieses intime Thema zu sprechen und schließlich selbstbewusster
mit dieser Art der Familienbildung umzugehen. Möglicherweise ist es auch ein erster Schritt, Kontakte zu anderen
Paaren zu knüpfen, mit denen man langfristig vieles gemeinsam hat. Auch die Kinder könnten später von solchen
Kontakten profitieren.
Das Seminar findet in unregelmäßigen Abständen in der Praxis für Kinderwunschbehandlung Erlangen statt.
Die Teilnahme steht jedem Paar offen, das über eine Spendersamenbehandlung nachdenkt, und ist unabhängig
von einer medizinischen oder psychosozialen Behandlung. Wer Interesse hat, kann sich jederzeit
unverbindlich bei mir melden.